Sabine Liebner: Morton Feldman 100 | piano recital 3: Early Piano Pieces 1950-1964 + piano recital 4: Piano 1977 & Palais de Mari 1986

SA 07.11. | 18:00 | musik
Morton feldman 100
piano recital 3: Early Piano Pieces 1950-1964 + piano recital 4: Piano 1977 & Palais de Mari 1986
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© Foto: Rupert Karbacher
Morton Feldman (1926 –1987) zählt zu den wichtigsten und richtungsweisenden Komponisten des 20. Jahrhunderts. Anlässlich seines 100. Geburtstags wird sein Oeuvre für Piano solo im Rahmen des Festivals „Morton Feldman 100“, initiiert von der Pianistin Sabine Liebner, einer der bedeutendsten Interpret*innen des Klavierwerkes von John Cage und Morton Feldman, zu hören sein.
Das Museum Brandhorst und scope – Spielraum für aktuelle Musik im schwere reiter sind zu diesem Anlass eine Kooperation eingegangen und präsentieren die Konzerttermine am 23.10. im Museum Brandhorst und am 06. und 07.11.2026 im schwere reiter gemeinsam.
Morton Feldman setzt sich in seinen Werken immer wieder mit europäischer Musiktradition auseinander, seine akribisch genau notierte Musik vermeidet dennoch jede formale Definition und Eindeutigkeit. Eine umfassende Aufführung des Klavierwerkes gab es in den 90ger Jahren einmalig bei Wien Modern, es umfasst knapp sieben Stunden Musik, für den*die Pianist*in und die Hörer*innen eine extreme Herausforderung. Morton Feldmans Klavierstücke wurden gesamt von Sabine Liebner auf CD eingespielt und mit höchster Wertschätzung durch die internationale Presse veröffentlicht. So wurde die CD „Early Piano Pieces“ mit Höchstwertung in The Independent ausgezeichnet, „Triadic Memories“, „Palais de Mari“, „For Bunita Marcus“ erhielten die Auszeichnung „scherzo Disco Excepcional“.
Beim Festival „Morton Feldman 100“ kommen die Werke des Komponisten für Piano solo endlich wieder live zur Aufführung.
19:00 | piano recital 3: Early Piano Pieces 1950-1964
Die von 1950 bis 1964 entstandenen Werke für Klavier umfassen Kompositionen mit freien Zeitdauern und konventioneller Notation:
„Wenn die horizontale Linie (Zeit) zerbricht, tritt die vertikale Erfahrung (Nicht-Zeit) hervor. Differenzierung als integraler Teil des horizontalen Prozesses kann nun fallengelassen werden. Man bewegt sich in Richtung einer „all-over“–Klangwelt. Es gibt keine Trennung der Register mehr. Es ist, als arbeite man in einem einzigen Register. Es sind nicht mehr Zeitintervalle, die der Musik ihre Gestalt und Kontur geben. Nicht Zeit formt den Klang. Der Klang formt Zeit…… Was ich verfolge, is tdie vertikale Reise. Wir wissen alles über die Horizontale. Zwischen 1953 und 1958 gab ich diegraphische Notation auf. Ich hatte das Gefühl, dass, wenn die Mittel nicht präzise sind, das Ergebnis erschreckend klar sein müsste. Und mir fehlte dieses Gefühl der Klarheit, um weitermachen zu können.“ Morton Feldman
21:00 | piano recital 4: Piano 1977 + Palais de Mari 1986
Unmittelbar nach der Oper „Neither“ schrieb Feldman ein Klavierstück mit dem Titel „Piano“, das er im Mai 1977 abschloss. 1984 äußerte sich Feldman in Frankfurt zu der ungewöhnlichen Anlage des Stückes wie folgt:
„Das Stück heißt Piano. Ich beschäftigte mich damals sehr mit Samuel Beckett, es ist eine Art Samuel-Beckett-Titel, ich hatte eine Oper mit ihm geschrieben und das Stück hat die gleiche Atmosphäre wiedie Oper. Was in diesem Stück passiert, ist folgendes: die Musik schreitet voran und dann – ich weiß nicht, wie ich darauf gekommen bin – habe ich angefangen, das vorübergegangenen Material in drei übereinandergeschichteten Systemen zu collagieren. Als vorübergegangene Information kommt es wieder, ich hatte ein Bild in diesem Stück und dieses Bild erscheint und verschwindet, wird vorgestellt und wieder verborgen. In vieler Hinsicht handelt es sich um eine Fuge. In vieler Hinsicht ist es nicht so sehr eine Fuge, sondern die Form der Architektur, die eine Fuge haben würde.“ Morton Feldman
Palais de Mari 1986
„Ich erinnere mich an eine Beobachtung, die Feldman ein paar Monate vor Beginn der Kompositiondes Stückes Palais de Mari machte, als er das Metropolitan Museum in New York besuchte und durchZufall vor einem späten Gemälde von Degas stand. Er bewunderte das Werk ausdrücklich für dendünnen Auftrag der Farbe auf die Leinwand. Dabei bemerkte er, dass er sich wünschte, in gleicherWeise zu komponieren. Diesen Aspekt findet man in Palais de Mari und in anderen späten Werken:seine wachsende Faszination für Notation als einen Farbauftrag – ein einzigartiges Vorhaben beiseinem kompositorischen Denken, das die Oberfläche des musikalischen Gemäldes bestimmt.“ Barbara Monk Feldman
Feldmans letztes Werk für Klavier ist dem Maler Francesco Clemente gewidmet.
18:00
Einführungsgespräch von Achim Hochdörfer mit Sabine Liebner
19:00
piano recital 3: Early Piano Pieces 1950-1964
21:00
piano recital 4: Piano 1977 + Palais de Mari 1986
Abendkasse und Foyer öffnen um 17:00. Die Programmpunkte können mit dem Kauf eines Tickets unabhängig voneinander oder zusammen besucht werden.
Mitwirkende
FÖRDER*INNEN
Kulturreferat der Landeshauptstadt München, Ludwig- Maximilians-Universität München, Pro Musica Viva Maria Strecker-Daelen Stiftung, Bezirk Oberbayern, Verein der Freunde der Musikwissenschaft e.V., Typografie-intensiv.de/Rudolf Paulus Gorbach
In Zusammenrabeit mit scope – Spielraum für aktuelle Musik im schwere reiter und
dem Museum Brandhorst.