Die Serie „Blickwinkel“ erscheint alle 14 Tage in unserem Newsletter. Hier schreiben Mitarbeitende des schwere reiter über ihre Arbeit, geben Einblick hinter die Kulissen, porträtieren Künstler*innen, beleuchten kulturpolitische Aspekte oder informieren über wichtige Belange des schwere reiter.
Kollektivarbeit am Theater: Zwischen Herausforderung und Bereicherung | Blickwinkel 11/25
Liebe Leser*innen,
es fühlt sich seltsam an, wieder auf die PANZER WIESE zu gehen. Zu wissen, dass dieser Abend nun wieder gezeigt wird, dass er doch noch einmal passiert. Denn das Stück war für uns als NMT-Kollektiv von fünf Autor*innen ein Startpunkt. Ein Startpunkt, um herauszufinden, wie wir als Autor*innen gemeinsam schreiben können.
Die reale Panzerwiese als Trampolin für die kollektive Arbeit zu wählen, war eine schöne Idee, aber auch herausfordernd. Wir alle hüpfen und springen anders, schreiben und arbeiten anders und hatten völlig unterschiedliche Zugänge zu diesem Ort und seinen Themen. Etwas, das wir als Stärke empfanden, denn es ging ja gerade darum, diese Wiese unterschiedlich darzustellen. Wir machten uns auf, unterschiedliche Sprachen für die Menschen, Tiere, Pflanzen, Geschichte(n), die dort zu Hause sind, zu finden.
Die Schwierigkeit, die wir dann gemeinsam mit der Regie gemeistert haben, war, diese disparaten und widersprüchlichen Teile zu einem schönen Mosaik oder Flickenteppich zu verbinden. Keine fertige Erzählung, sondern ein performativer Rundumschlag. Etwas, das man nun wieder erleben kann.
Der Startpunkt, der ist schon bald zwei Jahre her.
Seitdem stecken wir (zum Teil) im dritten kollektiven Theaterprojekt. Die Arbeitsweisen und Prozesse sind immer wieder anders und neu, nichts ist gesetzt, außer der Wille, es gemeinsam zu machen. Man sollte sich aber nicht täuschen: Nur weil mehrere Autor*innen an einem Projekt arbeiten, heißt es nicht, dass es weniger Arbeit ist, eher das Gegenteil ist der Fall. Aber es bringt einen dazu anders zu arbeiten, Dinge anzupacken, die man sonst vielleicht nicht angegangen hätte und zwingt einen immer wieder neu zu denken, die Perspektive der anderen einzunehmen um wirklich zu verstehen, was die andere Person will und warum sie so arbeitet. Eine Herausforderung, die sich immer lohnt und übrigens genau das, was wir mit PANZER WIESE versucht haben: Nicht den Menschen ins Zentrum zu stellen sondern alle Kreaturen, die auf dieser weiten Fläche zu Hause sind, zum Sprechen zu bringen und die Zuschauer*innen einzuladen, ihre Blickwinkel ernst zu nehmen.
Ich hoffe es ist uns gelungen.
Jan Geiger
Künstlerische Co-Leitung PATHOS theater
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